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Förderverein Burg Hofraite e.V. in Büdingen   

Werkzeuge, Zeiteninsel & 2. Halbjahr 2026

Mit Axt und Beil: Die Arbeitsgruppe BAU in der Praxis

Der Sommer 2026 stellte uns alle vor große Herausforderungen. Trotzdem trafen sich die Aktiven unserer Arbeitsgruppe BAU an einem Samstag, um sich intensiv mit historischen Werkzeugen und deren Anwendung zu beschäftigen. An einem Baumstamm konnten wir verschiedene Beile ausprobieren und praktische Erfahrungen sammeln.

Lukas erklärte uns die unterschiedlichen Werkzeuge, zeigte ihre Besonderheiten und führte ihre Anwendung anschaulich vor. Dabei wurde schnell klar: Beil ist nicht gleich Beil und Axt nicht gleich Axt! Je nach Form und Verwendungszweck eignet sich jedes Werkzeug für andere Arbeiten.

Auch unsere geplanten Hauskonstruktionen waren Thema. Insbesondere bei den größeren Gebäuden mit einer größeren Spannweite wurde diskutiert, ob eine Pfettendachkonstruktion eine mögliche Alternative wäre.

Eine Pfettendachkonstruktion (auch Rofendach genannt) ist eine traditionelle Dachform, bei der die geneigten Dachsparren nicht aufeinandergestützt sind, sondern auf waagerechten Längsträgern – den sogenannten Pfetten – aufliegen.  Quelle: Wikipedia

Unser wissenschaftlicher Beirat bevorzugt für unser Projekt jedoch reine Sparrendächer. Der Grund: Für Pfettendächer aus unserer Region und der von uns betrachteten Zeitstellung fehlen bislang entsprechende archäologische Belege. Da wir uns bei unserem Bauprojekt an den wissenschaftlich belegbaren Erkenntnissen orientieren möchten, spielt diese Frage eine wichtige Rolle.

Drei Grubenhäuser mit unterschiedlichen Funktionen

Ein weiterer wichtiger Beschluss betrifft unsere geplanten Grubenhäuser. Gemeinsam haben wir festgelegt, dass wir künftig insgesamt drei dieser Gebäude errichten wollen. Sie sollen unterschiedliche Funktionen erfüllen:

  • Ein Pfostengrubenhaus als Webhaus: mit abnehmbarem Giebel und einer Wand aus gespaltenen Bohlen.
  • Ein Grubenhaus mit Zwischenboden: Der zusätzliche Boden soll als Speicherfläche dienen.
  • Ein Grubenhaus als Werkstatt: Hier sollen handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt werden können.

Wichtig ist uns dabei: Keines der drei Grubenhäuser ist als Wohnhaus vorgesehen. Jedes Gebäude soll vielmehr eine eigene Funktion innerhalb unserer rekonstruierten mittelalterlichen Hofanlage übernehmen.

Ein mittelalterliches Pfosten-Grubenhaus ist ein Gebäude, dessen Bodenmulde 30 Zentimeter bis über einen Meter tief in die Erde ausgehoben wurde und das durch tragende Holzpfosten gestützt wurde. Dieser Haustyp war vor allem im Frühmittelalter (etwa ab dem 6. bis 10. Jahrhundert) weit verbreitet. Quelle: Wikipedia

Wir freuen uns über konstruktive Kritik und Anmerkungen, wenn wir hier Fehler machen. Ebenso wenn wir in dem Bereich unterstützung bekommen. Kontakt

Die Landschaft nimmt Gestalt an

Neben den Gebäuden beschäftigt uns auch die Gestaltung unseres Grundstücks. Deshalb haben wir uns mit dem Büdinger Landschaftsarchitekten Christian Wiegand getroffen, um die nächsten Schritte für die Entwicklung unseres Geländes zu besprechen.

Noch bevor die eigentlichen Burgbauarbeiten beginnen können, müssen zahlreiche Fragen geklärt und wichtige Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehören beispielsweise befestigte Rettungswege, Zufahrten, Notausgänge und ausreichend tragfähige, verdichtete Flächen für den Einsatz eines Krans.
Gleichzeitig überlegen wir, wo und wann erste Einfriedungen entstehen können, welche Bäume gepflanzt werden sollen und wo später Gärten und weitere gestaltete Bereiche ihren Platz finden.

Eine besondere Bedeutung hat dabei unsere geplante Gerichtslinde. Auch für sie müssen der richtige Standort und der passende Zeitpunkt für die Pflanzung gefunden werden. Da ein Baum dieser Größe nicht ohne Weiteres gepflanzt werden kann, müssen wir auch hierfür die erforderlichen Voraussetzungen schaffen und die notwendigen Arbeitsflächen berücksichtigen.

Inspiration und Motivation: Besuch auf der Zeiteninsel

Am 18. und 19. Juli besuchten Mitglieder unseres Vereins die Eröffnung der Zeiteninsel bei Marburg. Bei dieser Gelegenheit überreichten wir dem Vorstand des Fördervereins ein liebevoll vorbereitetes Büdinger Gastgeschenk.

Wir waren tief beeindruckt davon, was dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit großem Engagement, viel Ausdauer und jeder Menge Herzblut entstanden ist. Unser größter Respekt gilt dem gesamten Team der Zeiteninsel!

Der Besuch hat uns erneut gezeigt, was durch langfristige Planung, wissenschaftliche Arbeit und die Begeisterung vieler engagierter Menschen möglich werden kann.

Und genau das macht uns Mut für unser eigenes Vorhaben: Unser Projekt, eine Burg mit Hofraite nach dem Vorbild des 11. Jahrhunderts zu rekonstruieren, ist keineswegs eine utopische Idee. Es ist ein langfristiges Ziel, das wir Schritt für Schritt gemeinsam verwirklichen wollen.

Natürlich bunt: Historische Färbetechniken erleben

Im September wurde es in unserer Arbeitsgruppe Kleidung und Textil besonders farbenfroh. Gemeinsam mit dem Kulturkreis Büdingen e. V. und im Rahmen der Landerlebniswochen veranstalteten wir auf dem wunderschönen Gelände des NABU Ortenberg-Selters den Workshop „Natürlich bunt“.

Unter dem Leitgedanken „Historisches Wissen trifft Gegenwart“ beschäftigten wir uns zwei Tage lang mit alten Färbetechniken. Unter der fachkundigen Anleitung der freiberuflichen Kunsthistorikerin Henriette Fleck konnten wir im Sinne der experimentellen Archäologie historische Verfahren praktisch ausprobieren.

Dabei standen natürliche Färbemittel, regionale Materialien und ökologische Zusammenhänge im Mittelpunkt. Wir lernten verschiedene Färbepflanzen und Färbematerialien kennen und erhielten eine praxisnahe Einführung in das Färben mit Färberwaid, Krapp, Walnussschalen und Färberkamille.
Bei bestem Herbstwetter wurde experimentiert, ausprobiert und natürlich auch kräftig gefärbt – unsere Finger blieben dabei nicht immer sauber!

Besonders schön war, dass wir das neu erworbene Wissen direkt weitergeben konnten. Neugierige Besucherinnen und Besucher sowie Kinder auf dem NABU-Gelände interessierten sich für unsere Arbeit und konnten spontan an unseren Erfahrungen teilhaben.

Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie sich historische Handwerkstechniken vermitteln und praktisch erleben lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Fachleuten und regionalen Partnern ist.
Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, die diesen Workshop möglich gemacht haben!

Interesse und das wäre genau das was Du schon immer machen wolltest? Klick auf Kontakt 🙂

Zur Referentin
Henriette Fleck ist freiberufliche Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie sowie Vor- und Frühgeschichte in Gießen und Frankfurt.

Weitere Informationen: Homepage von Henriette Fleck

Zu Gast bei der Deutschen Burgenvereinigung

Am 04. Oktober konnten wir uns auf Einladung der Deutschen Burgenvereinigung auf Burg Kronberg mit einem kleinen Infotisch neben anderen spannenden Projekten den geladenen Gästen präsentieren. Unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Herrn Boris Rhein hat der Deutsche Burgenverein eingeladen und einen tollen Infotag organisiert.

Hier konnten wir verschiedene Hessische Projekte kennenlernen und neben den sehr informativen Vorträgen interessante Kontakte knüpfen. Eine gute Entscheidung für unseren Verein, dort präsent zu sein.

Schritt für Schritt zur Burg Hofraite

Ob beim Umgang mit historischen Werkzeugen, bei der Planung unserer Gebäude und der Landschaft oder beim Erproben alter Handwerkstechniken: Die vergangenen Monate haben einmal mehr gezeigt, wie vielfältig unser Projekt ist.
Wir verbinden wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Erfahrung und bringen Menschen zusammen, die sich für Geschichte, Handwerk und experimentelle Archäologie begeistern.

Noch liegt viel Arbeit vor uns. Doch mit jedem Treffen, jeder neuen Erkenntnis und jedem gemeinsam geplanten Schritt kommen wir unserem Ziel ein Stück näher: Wir bauen eine Burg!

admin

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